Die Lebenserwartung von Gevatter Tod

Nicht jeder kennt das Online-Satiremagazin “Der Postillon”. So manch einer hat schon eine satirische Meldung auf Facebook als reale Nachricht weiter verbreitet. Der Postillon ist nicht nur am 1. April aktiv, sondern das ganze Jahr über. Er versteht es, mit aktuellen Themen den Leuten einen Bären aufzubinden.


Der Postillon meinte nun, Gevatter Tod sei im Dezember 2016 an Überarbeitung gestorben. Nachzulesen ist das hier. Meistens hat der Postillon ja recht, aber in diesem Fall hat er sich wohl vertan. Denn er treibt immer noch sein Unwesen. Das liegt daran, dass Gevatter Tod nun keine reale Gestalt wie Donald Trump, Angela Merkel oder Marc Zuckerberg ist. Obwohl man bei manchen Nachrichten über diese Personen auch nicht weiß, ob die Meldung real oder echt ist.

Gevatter Tod, wer ist das eigentlich? Zunächst einmal eine Märchengestalt. Die Gebrüder Grimm, bekannt für viele blutrünstige Geschichten und verantwortlich für viele Kinderängste, haben ihn erfunden. Ein armer, verzweifelter Mann - so geht die Geschichte - sucht für sein dreizehntes Kind einen Gevatter (Taufpaten). Den lieben Gott weist er ab („du gibst den Reichen und lässt den Armen hungern“), ebenso den Teufel („du betrügst und verführst die Menschen“), der Tod ist ihm willkommen, dem sind alle gleich. Der Patensohn bekommt Heilkräfte, der Gevatter zeigt ihm, wer leben und wer sterben wird. Als der Patensohn den Tod austricksen will, findet der das gar nicht lustig.

Wer jetzt denkt, er könne das Märchenbuch einfach zuklappen und Gevatter Tod könne ihm nicht mehr entweichen, hat sich geirrt. Denn Gevatter Tod ist nicht nur eine Märchengestalt, sondern gilt als die Personifizierung des Todes. Er ist, was die Endlichkeit des Menschen angeht, leidenschaftslos. Er ist auch zeitlos, geht durch die Jahrhunderte und tritt unter unterschiedlichen Namen auf. In unserem Kulturkreis ist er unter seinen Namen Knochenmann, Sensenmann, Schnitter oder Freund Hein. "Hein" ist wie "Heinz" eine Kurzform von "Heinrich", einem früher sehr häufigen Vornamen. Er ist zu einer Art Gattungsname für jeden und jede geworden. Du bist Hein, ich bin Hein, sterblich sein ist Hein.

Sterblich wie wir Menschen sind, geht jeder mit ihm irgendwann auf die Reise. Da ist es doch ganz gut, schon zu Lebzeiten mal die Bekanntschaft zu machen und die Beziehung etwas zu pflegen. Wenn es dann soweit ist, kann man dann einen alten Bekannten begrüßen, mit dem man vertrauensvoll die Reise antreten kann. Mit einem Freund geht man doch lieber auf Reisen, als mit einem unbekannten Fremden. Die letzten Worte sind dann vielleicht: “Du bist doch der Hein. Ich gehe gerne mit dir heim.”

Postillon: GevatterTod 2016 an Überarbeitung gestorben