Fit für die Übergabe des Bestattungshauses

Um ein Bestattungsunternehmen erfolgreich zu übergeben, kommt es vor allem auf den Zustand des Unternehmens an. Wer rechtzeitig modernisiert, wird einen höheren Preis erzielen. Wer sich um eine positive Geschäftsentwicklung kümmert, findet leichter einen Interessenten.


Das wichtige Thema Geschäftsübergabe neben dem Arbeitsalltag anzupacken, ist keine leichte Aufgabe. Sich den Zukunftsfragen zu stellen, erfordert Energie und Tatkraft. Selbst wenn man übergabewillig ist, weil man selbst kürzer treten oder in Rente gehen will, bedeutet das noch nicht, dass das Unternehmen auch übergabereif ist. Dazu bedarf es im Vorfeld einiger Überlegungen und Entscheidungen.

Ein moderner Betrieb macht Laune

Die Grundfrage lautet: welchen Betrieb will ich übergeben. Ist es ein Unternehmen, das ein potentieller Nachfolger, eine Nachfolgerin, erst aus dem Dornröschenschlaf wecken muss? Wie dick ist die Hecke aus aufgeschobenen Modernisierungsmaßnahmen, unklaren Arbeitsabläufen und verstaubtem Außenauftritt, die zu überwinden ist?

Was macht mein Unternehmen für einen Nachfolger attraktiv? Diese Frage kann als Leitfrage in der Vorbereitungsphase für eine Geschäftsübergabe dienen.
Wer ein Auto verkaufen will, fährt vorher noch kurz durch die Waschstraße. Diese Binsenweisheit, gültig für jeden Autoverkauf, funktioniert bei der Übergabe eines Bestattungshauses nicht. Notwendige Weichenstellungen erfolgen oft Jahre im Voraus.

Um fit für die Übergabe zu sein, muss ein Bereich nach dem anderen zukunftsfähig ausgerichtet werden:

  • Kunden - Ist das Unternehmen nur auf Folgeaufträge innerhalb einer Familie ausgerichtet oder darauf, neue Kunden zu gewinnen?
  • Marktposition - Hat das Unternehmen ein unverwechselbares Profil? Kann der Marktanteil ausgebaut werden? Mit welchen Maßnahmen?
  • Marketing - Verfügt das Bestattungshaus über einen zeitgemäßen Onlineauftritt und ansprechende Geschäftspapiere?
  • Finanzen und Kostenstrukturen - Reichen die Einnahmen aus, um gerade so über die Runden zu kommen oder können notwendige Investitionen getätigt werden.
  • Arbeitsprozesse - Sind Software, Arbeitsmaterialen und -abläufe auf dem neuesten Stand.
  • Mitarbeiter/innen - Wie ist die Altersstruktur, wie die Arbeitsmotivation? Welche Fortbildungen stehen an?
  • Produkte und Partner - Arbeitet das Unternehmen mit attraktiven Vertragspartnern zusammen und bietet innovative Produkte an?

Wie geht man am besten vor?

Die Geschäftsübergabe ist ein längerer Prozess. Mit guter Ausgangslage und externer Unterstützung ist sie in wenigen Monaten möglich. Vorbereitung, Selektion und die eigentlichen Verhandlungen sind aber meist ein Prozess über mehrere Jahre. Nicht jeder findet gleich die richtigen Partner, die die Übergabe begleiten können. Fachkundige Begleiter können ein spezialisierter Bestattungsmakler oder andere Nachfolgemoderatoren sein. Je nach Ausrichtung unterstützen sie in finanziellen, steuerlichen, rechtlichen, manchmal auch in emotionalen Fragen.

  • Zunächst ist es wichtig, den persönlichen Standort zu bestimmen. Wie lange habe ich noch Lust, Unternehmer/in zu sein? Welche Pläne habe ich für das „Leben danach“? Will ich auch nach der Übergabe als Gesellschafter oder als Beirat noch weiter Einfluss nehmen? Welche Auswirkungen wird die Übergabe auf die Familienmitglieder haben?

  • Die Nachfolgeoptionen sind zu prüfen. Will ich das Institut verkaufen oder fair an die eigenen Kinder übergeben? Kann das Unternehmen in der Familie weiter geführt werden? Ist eine Fremdgeschäftsführung möglich? Welche Qualifikationen müssen die Bewerber mitbringen? Oder kommt ein Verkauf an einen unabhängigen Interessenten oder einen Wettbewerber in der Region in Frage? Wie kann sichergestellt werden, dass kein „schwarzes Schaf“ das Bestattungsinstitut übernimmt, und zerstört, was man selbst über viele Jahre hinweg aufgebaut hat.

  • Um zu einer klaren Verhandlungsposition zu kommen, muss die Wertfrage geklärt sein. Bei einer hohen Identifikation mit dem Unternehmen oder einer familiären Nachfolgeregelung spielen nichtmonetäre Werte eine größere Rolle, die den Verkaufspreis beeinflussen. Es gibt keinen objektiv fassbaren Unternehmenswert, sondern verschiedene Bewertungsverfahren. Je nachdem wie die Faktoren gewichtet sind, entsteht ein Wertkorridor.

Die Übergabe eines Bestattungsunternehmens geht meist unbemerkt von der Öffentlichkeit über die Bühne. Immer noch gehen viele von der lange gültigen Maxime aus, dass der Wert eines Unternehmens zum größten Teil aus dem Namen besteht. Der Name bleibt, nur der Inhaber wechselt. Wenn die nächste Generation in der Familie übernimmt, ist das weiter sinnvoll. Doch die Kundentreue nimmt ab. Dass das Unternehmen vor Jahren den Opa beerdigt hat, heißt noch lange nicht, dass man man heute auch die Bestattung der Oma dort beauftragt. Wird das Unternehmen an Neugründer verkauft, steigt der Wert eines Unternehmens mit seiner Modernisierung, klaren Arbeitsabläufen, aufgeräumter Kostenstruktur und einem zeitgemäßen Marketing.