Als Bestatter Online-Gedenkseiten anbieten?

Mit den digitalen Medien sind neue, virtuelle Orte der Trauer entstanden. Die ersten Gedenkseiten gab es bereits Mitte der 1990er Jahre. Diese Form der Trauerbewältigung hat sich bis heute gehalten. Es gibt zahlreiche Anbieter für Gedenkseiten. Lohnt es sich da überhaupt als Bestatter, Gedenkseiten auf der eigenen Webseite anzubieten?


Was Gedenkseiten so anziehend macht

Gedenkseiten werden für Verstorbene angelegt. Im Internetzeitalter sind sie Teil der Erinnerungskultur. Bewegt man sich durch die sichtbaren Zeugnisse ganz unterschiedlicher Leben, löst das Emotionen aus, auch wenn man die Person gar nicht persönlich kannte. Gedenkseiten sind das moderne Memento mori. Nicht mehr nur die Kreuze am Wegesrand erinnern an die eigene Sterblichkeit.

Für diejenigen, die im Leben bereits im Internet sichtbar waren, markiert die Gedenkseite einen Erinnerungsort, an dem sich die Online-Community des Verstorbenen zum Gedenken zusammenfindet. Eltern früh verstorbener Kinder dokumentieren das kurze Leben ihrer Kinder und finden in der Gemeinschaft mit anderen Betroffenen Verständnis und Mitgefühl.

Eine ganz eigene Kategorie sind die Gedenkseiten für Prominente. Wenn ein prominenter Mensch stirbt, gehen die Beileidsbezeugungen von Fans oder Betroffenen in die Tausende. Man trauert nicht um den Verlust dieses Menschen, sondern um das, was er verkörperte. Vielleicht war er oder sie ein inspirierendes Vorbild, ein literarischer Mentor oder eine politische Leitfigur. Mit ihr sind begeisternde, berührende oder prägende Erfahrungen verbunden.

Der reale Ort, an dem Sarg oder Urne beigesetzt werden, verliert an Bedeutung. Kaum noch Erdgräber werden gekauft, stattdessen Urnengräber ohne Pflegeaufwand, eine kleine Plakette an einem Baum in einem Bestattungswald oder ein anonymes Grab. Die Begräbnisplätze sind in den vergangenen zwanzig Jahren immer schlichter geworden. Die Trauer sucht sich neue Orte und findet sie im Internet.

In vielen Fällen wird die Hemmschwelle mit der betroffenen Familie Kontakt aufzunehmen herabgesetzt. Um eine digitale Kerze anzuzünden braucht es keine Worte. Wer auf Facebook ein Foto mit „gefällt mir“ markiert, signalisiert den Angehörigen: da ist jemand, der mich in meiner Trauer wahrnimmt. Trauerarbeit im Internet eröffnet viele Chancen und erleichtert den Umgang mit dem oft angstbesetzten Thema Tod.

Wer bietet Gedenkseiten an

Schier unendlich scheinen die Möglichkeiten, eine Gedenkseiten zu erstellen. Es gibt zahlreiche Anbieter, auf deren Portalen sich Gedenkseiten in wenigen Schritten anlegen lassen. Vorgefertigte Templates machen die Bedienung einfach. Die angebotenen Funktionen unterscheiden sich nicht wesentlich: Bilder, Videos und Nachrufe können hochgeladen werden. Ein Kondolenzbuch ermöglicht Einträge von Zugehörigen, aber auch von Menschen, die zufällig auf die Seite geraten. Häufig genutzt wird die Möglichkeit, eine virtuelle Gedenkkerze zu entzünden.

Neben kostenfreien Angeboten stehen kostenpflichtige, die in der Regel einen größeren Funktionsumfang bieten. Etwa einen privaten Bereich, der mit einem Passwort geschützt ist. Sehr persönliche Erinnerungen, Fotos, Musikdateien, eigene Videos sind öffentlich nicht sichtbar. Diese Inhalte stehen nur Personen zur Verfügung, die von der Familie die Zugangsdaten bekommen.

Vereinzelt stößt man auf Webseiten, die von den Angehörigen komplett selbst gestaltet und gehostet werden. Diese Variante nutzen Menschen, für die die Erstellung einer Webseite wenig Aufwand bedeutet und die nicht durch vorgegebene Templates eingeschränkt werden wollen.

Das soziale Netzwerk Facebook bietet an, das Profil einer verstorbenen Person in den Gedenkzustand zu versetzen. Mittels eines einfach gehaltenen Formulars können Menschen, das Profil einer verstorbenen Person melden und den Gedenkzustand beantragen. Facebook beschränkt diese Möglichkeit nicht auf die Angehörigen, als Nachweis reicht schon der Link auf eine Todesanzeige oder einen Nachruf aus. Eine andere Variante des Gedenkens auf Facebook sind die vielen Gedenkseiten, die unabhängig vom Profil der verstorbenen Person angelegt werden. So schafft das soziale Netzwerk einen Raum, in dem Trauer und Andenken dort stattfinden, wo der Verstorbene seine Kontakte pflegte.

Zunehmend bieten die Onlineportale von Tageszeitungen Gedenkseiten an. Traueranzeigen, die in der Printausgabe erscheinen, werden online veröffentlicht. In speziellen Trauerportalen wird die Veröffentlichung einer Todesanzeige durch weitere Funktionen ergänzt. Gedenkseiten können in einer einfachen Variante kostenfrei angelegt werden. Wer mehr Gestaltungsmöglichkeiten und einen passwortgeschützten privaten Bereich möchte, kann einen kostenpflichtigen Zugang erwerben.

Eignet sich die Webseite des Bestatters als Gedenkportal?

Es bietet sich an, die Beliebtheit von Gedenkseiten für das eigene Unternehmen zu nutzen und den Kunden gleichzeitig einen Mehrwert zu bieten. Statt auf diverse Anbieterseiten zu verweisen und Kunden damit von der eigenen Webseite wegzuführen, könnte das Angebot von Gedenkseiten den Kontakt zu den Kunden verlängern.

Gedenkseiten holen Traffic auf die eigenen Seiten und fördern die Bindung der Trauerfamilie an das Unternehmen. Die Angehörigen geben den Link weiter. Das ist ein Werbeeffekt, der durchaus attraktiv ist. So erfahren Freunde und Bekannte des Verstorbenen überhaupt erst, welches Bestattungshaus die Bestattung durchgeführt hat. Die Reichweite erhöht sich noch einmal, wenn der Link zur Gedenkseite in den sozialen Netzwerken gepostet wird, sei es durch den Bestatter, sei es durch die Angehörigen oder Freunde.

Ein weiterer Nutzen ist das verbesserte Ranking in der Suchmaschine. Seiten mit häufigen Aktualisierungen und vielen Seitenbesuchen werden in der Trefferliste weiter oben platziert.

Niemand muss heute eine Gedenkseitenfunktion selbst programmieren. Je nachdem mit welcher Technik die Webseite erstellt ist, kann man sich diese Funktionalität einkaufen. Doch lohnt sich das?

Für kleinere Bestattungshäuser wird der Aufwand in keinem Verhältnis zum Nutzen stehen. Ein funktionierendes Gedenkseitenmodul setzt eine Webseite voraus, die technisch und gestalterisch auf dem neuesten Stand ist. Hier ist es vielleicht sinnvoller, auf eine Premiumpartnerschaft und eine Kooperation mit dem Trauerportal der Lokalzeitung zu setzen. Todesanzeige und Bestattungshaus stehen nebeneinander. Wer die Anzeige online aufruft, wird auf den Bestatter aufmerksam, der die Beisetzung begleitet hat.

Unternehmen mit einem größeren Einzugsgebiet und Filialbetrieben nehmen in der Regel eher das Geld in die Hand, um ihre Webseiten fit für den Kundenkontakt zu machen. Sie haben eine entsprechend hohe Anzahl von Aufträgen und in der Folge von Gedenkseiten. Wenn nämlich der letzte Gedenkseiteneintrag zwei Jahre zurückliegt, leidet das Image trotz Gedenkseitenfunktion.

Letztlich muss man abwägen, ob das eigene Klientel ein solches Angebot nutzen wird und ob es bereit ist für Premiumfunktionen weitere Kosten zu tragen. Ein weiteres Thema muss ins Beratungsgespräch integriert werden. Das verlängert die ohnehin schon umfangreiche Liste der notwendigen Entscheidungen, mit denen Angehörige im Todesfall konfrontiert sind. Auf der anderen Seite stehen die positiven Effekte wie besseres Ranking auf Google und der nicht zu unterschätzende Werbeeffekt im Umfeld der Trauerfamilie.

Wer einen Angehörigen oder Freund verloren hat, braucht Orte der Trauer. Im Internetzeitalter gehören die verschiedenen Onlineangebote dazu, mit deren Hilfe andere Menschen anteilnehmen können und man sich gemeinschaftlich an die Verstorbenen erinnert.