Es ist erstaunlich, wie viele Menschen über Tod, Trauer und Bestattung sprechen, zumindest in den Medien: Öko-Bestattung, Death Cafés, bunte Trauer, Full-Service-Bestatter, Onlinebestattung, Digitalisierung. Das sind die wichtigsten Trends, die Sie im Auge behalten sollten, um als Bestatter für die Zukunft gut gerüstet zu sein.


1. Der Trend zur Urne ist ungebrochen

Der Anteil der Urnenbestattungen an der Gesamtzahl von Bestattungen steigt seit Jahren kontinuierlich an. Im Jahr 2015 lag der Anteil der Feuerbestattungen bundesweit bei 67 Prozent. Nach Umfragen der Gütegemeinschaft Feuerbestattungsanlagen e. V. (RAL) wurden im Jahr 2018 73% der Verstorbenen eingeäschert.Ca. 20 % der Friedhofsverwaltungen geben ihre Zahlen bekannt, erfasst werden so ca. 20 % aller Sterbefälle in Deutschland.

Die gesellschaftlichen Veränderungen wirken sich deutlich auf dem Friedhof aus. Familienmitglieder sind mobiler geworden und leben weniger aufeinander bezogen. Im Vergleich zum traditionellen Erdbegräbnis, wird heute an teuren Särgen und aufwendigen Gräbern gespart. Die Feuerbestattung kommt dem Bedürfnis nach Einfachheit und flexiblem Beisetzungstermin entgegen. Mit einem weiteren Anstieg der Feuerbestattungen ist zu rechnen.

Bestatter, in deren Kalkulation der Verkauf von hochpreisigen Särgen eine große Rolle spielt, sollten sich schnell umorientieren und ihre Angebote den veränderten Bedürfnissen anpassen.

2. Anteil kirchlicher Bestattungen weiter rückläufig

Immer weniger Bestattungen in Deutschland werden von den Kirchen begleitet. Die Verbraucherinitiative Aeternitas errechnet den Anteil kirchlicher Bestattungen im Jahr 2017 nach den Statistiken der Deutschen Bischofskonferenz und der Evangelischen Kirche in Deutschland. Demnach betrug der Anteil kirchlicher Bestattungen 55,2 Prozent (im Vergleich zu 70,1 Prozent im Jahr 2002)

Der rückläufige Anteil kirchlicher Bestattungen zeigt den tiefgreifenden Wandel, dem Traditionen und religiöse Riten unterliegen. Eine Studie des Forschungszentrums Generationenverträge berechnet, dass sich die Zahl der evangelischen Kirchenmitglieder bis zum Jahr 2060 in etwa halbieren wird. Berücksichtigt in der Berechnung der Mitglieder werden Todesfälle, Taufen, Wanderungsbewegungen, Austritte und Aufnahmen.

Bestatter können sich darauf einstellen, dass sie in Zukunft vermehrt den Ablauf einer Trauerfeier beratend begleiten werden. Die Empfehlung von Trauerrednerinnen und Rednern, die an Stelle von kirchlichen Zeremonienleitern die Trauerfeier leiten werden, sollte nicht nur deren sprachliche Kompetenzen, sondern auch rituelle Kompetenzen im Blick haben.

3. Ökologische Bestattung

Seitdem der Klimawandel und die Bewegung “Fridays for Future” in aller Munde ist, spielen ökologische Gesichtspunkte auch bei der Bestattung zunehmend eine Rolle. Wie sieht eine CO2-neutrale Bestattung aus? Angefangen bei den technischen Aspekten der Kremation, über die verwendeten Materialien bei Sarg, Urne oder Bestattungswäsche, über kurze Wege bei Überführung und Bestattung, bis hin zum Einsatz von E-Autos und regionalen Lieferketten reichen die Kriterien für eine ökologische Bestattung.

Moderne Krematorien arbeiten mit Fotovoltaik-Anlagen, Filteranlagen und hocheffizienten Kremationsöfen, die weniger Energie verbrauchen, freiwerdende Schadstoffe minimieren und helfen sollen, die Umwelt zu schonen. Der Bestatter entscheidet, welches Krematorium er anfährt. Wer die Bestattung nach ökologischen Gesichtspunkten ausrichtet, achtet nicht nur auf Kremationskosten oder die vom Krematorium gezahlte Provision, sondern bezieht ökologische Kriterien in die Entscheidung mit ein.

Bei Särgen, Urnen oder Bestattungswäsche steigt das Bewusstsein für die verwendeten Materialien und die Lieferwege. Ist ein in China gefertigter Ökosarg aus Bambus wirklich ökologischer als ein in Deutschland gefertigter Sarg aus Holz? Je mehr Bestattungshäuser bei den Herstellern ungebleichte Baumwolle, biologisch abbaubare Folien und „Regio-Särge“ aus heimischer Produktion einfordern, desto schneller werden die Zulieferbetriebe auf ökologische Produkte umstellen.

„Die Grüne Linie“, eine Initiative des Bestattungshauses Hebenstreit & Kentrup, hat bereits zahlreiche Unternehmen inspiriert. Das Projekt erlangte den 1. Platz beim European Funeral Innovation Award 2017 und bekam beim Wettbewerb des BUND und NABU Deutschland „die Lieferkette lebt“ einen Sonderpreis.

Blumenschmuck, regional produziert und der Jahreszeit entsprechend, verringert die Importwege, genauso wie Naturstein aus regionalen Steinbrüchen bei den Grabsteinen. Solarenergie im Bestattungshaus, verbrauchsarme Bestattungsfahrzeuge, Naturpapiere für Trauerdrucksachen, kurze Wege zu den ortsnahen Friedhöfen, Grabbepflanzung mit einheimischen Gewächsen, die Liste von Einzelmaßnahmen ließe sich noch fortsetzen.

Auch wer nicht auf die grüne Linie einschwenkt, kann in seinem Unternehmen ökologisch handeln. Mit einer konsequent ökologischen Ausrichtung lassen sich neue Kundensegmente ansprechen.

4. Trauer wird bunt und lebendig

Mit der Aktion @mypersonalcoffin machte der Bundesverband Deutscher Bestatter e.V. (BDB) in einer Charity-Aktion auf eine neue Abschiedskultur aufmerksam. Sechs von Künstlern sehr bunt gestaltete Särge wurden auf Ebay versteigert.

“Laute Trauer” war bislang nur im Kreuzworträtsel gefragt, als ein Wort mit fünf Buchstaben: Klage. Laute Trauer meint heute: ich verstecke meine Trauer nicht mehr. Davon zeugen zahlreiche Blogs und Bücher, die die neue Sichtbarkeit der Trauer in die Welt tragen. Nicht mehr dunkel, bedächtig, getragen, schwarz ist die Trauer. Von “liebevoll trauern” ist die Rede, von “kreativer Trauer”, Trauer abseits von "Schema F". Trauerbegleiter wollen Licht dahin bringen, wo es dunkel ist und ermutigen, sich bei aller Trauer nicht jedes Lächeln zu verkneifen.

Der „Dias de los muertos“ ist einer der wichtigsten Feiertage in Mexiko. Der “Tag der Toten” nach mexikanischem Vorbild wird inzwischen in einigen Städten angeboten. Das Thema Trauer gewinnt an gesellschaftlicher Aufmerksamkeit. Messen, wie die “Leben & Tod” in Bremen, ab kommendem Jahr auch in Freiburg, haben dazu beigetragen. Entstanden sind private Initiativen, wie der “Memento-Tag” oder Projekte wie Trauer Now, das die Impulse des Future Day “Heilsame Abschiede” im Oktober 2019 fortführt.

Diese Entwicklung findet sich wieder in Bestattungshäusern, die gestalterisch neue Wege gehen nach dem Motto "Es reicht, dass der Tod dunkel ist. Bei uns ist es freundlich und hell."

5. Bestatter bauen ihr Unternehmen zum Full-Service aus

Kommunale oder kirchliche Friedhöfe haben es versäumt, die Zeichen der Zeit zu lesen. Engagierte Friedhofsverwalter rennen mit ihren Gestaltungsideen und Finanzierungsanfragen an die Mauern kommunaler Verwaltungsstrukturen. Wo seit Jahren Stillstand auf den Friedhöfen herrscht, erweitern Bestattungshäuser ihr Angebot.

Die großen Friedhofshallen werden immer weniger genutzt. Trauergesellschaften werden immer kleiner und finden in den eigenen Feierräumen der Bestatter Platz. Diese sind warm und freundlich gestaltet und mit moderner Technik ausgestattet.

Wer heute sein Bestattungshaus umbaut, plant Aufbahrungsräume ein. Eigene Gastronomieräume, beliefert von einem externen Cateringservice, laden die Menschen nach der Trauerfeier zum Verweilen ein. Arbeitsbereiche, die lange Zeit in Händen der kommunalen Verwaltung waren, wie Graböffnung, Grabschließung, Beisetzung von Urnen und Särgen, wandern zu den Bestattern ab.

“Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit.” Die Wahrheit in diesem geflügelten Wort motiviert zu Veränderungen.

6. Der Trend geht hin zu größeren Unternehmen mit mehreren Filialen

Ein Bestattungsunternehmen zu verkaufen war noch nie eine einfache Sache. Viele kleinere Unternehmen finden keinen geeigneten Nachfolger mehr. Im Familienbetrieb gibt es selten Nachkommen, die den Betrieb übernehmen wollen. So übernehmen bestehende Unternehmen die kleineren Bestattungshäuser ohne Nachfolger.

Die Vorteile liegen auf der Hand. Lager, Verwaltung, Marketing und Organisation werden zentral gesteuert. Das vermindert Kosten und Personal. Vor Ort ist ein Ansprechpartner, der die Menschen empfängt, sie berät und begleitet.

7. Die Digitalisierung betrifft jeden Bestatter

Die von der Digitalisierung angestoßenen Entwicklungen haben ein sehr hohes Tempo. Für den einzelnen Bestatter ist es schwer, hier auf dem Laufenden zu bleiben. Umso wichtiger ist es, die richtigen Partner zu finden, die den Digitalisierungsprozess im Bestattungshaus begleiten.

Aktuelle Abläufe im Unternehmen müssen hinterfragt werden. Jede Umstellung von analoger zu digitaler Arbeitsweise bedeutet zu Beginn einen erhöhten Aufwand, der sich aber zu einem späteren Zeitpunkt durch Zeitersparnis und einen besseren Service für die Kunden auszahlt. Der digitale Katalog ist leichter zu pflegen als die Ordner mit Produktbildern, Anzeigenvorlagen oder Trauerkarten. Eine gute Bestattersoftware erleichtert die Arbeitsabläufe. Eine zeitgemäße Webseite spricht auch jüngere Kunden an, die sich vor allem über das Internet informieren.

Digitalisierung bedeutet auch, sich mit der Herausforderung durch Onlinebestatter und Preisvergleichsportale auseinanderzusetzen. Bereits heute müssen die Weichen gestellt werden, um für die zukünftige Generation von Auftraggebern sichtbar zu sein, die digital aufgewachsen ist. Dazu reicht es nicht aus, eine Webseite ins Internet zu stellen. Der Onlineauftritt muss attraktiv sein, sich in Gestaltung und Angebot mit den Bedürfnissen der Kunden verändern. Social Media Plattformen wie Facebook oder Instagram sind wichtige Orte, um ein Netzwerk von Empfehlungsgebern aufzubauen.

Gewinner der Digitalisierung werden alle Unternehmen sein, die sich auf ihre Kunden fokussieren und ihnen mit wenig Aufwand viel Dienstleistung und besseren Service bieten. Dazu gehören auch das Formalitätenportal für die Vertragsabwicklung post mortem, sowie der digitale Vertrags- und Nachlassmanager, mit dem die Bestattungsvorsorge aufgewertet werden kann.

Diese sieben Trends werden die Bestattungsbranche in den nächsten Jahren weiter beschäftigen. Für jedes Unternehmen ist es möglich, notwendige Veränderungen in die Wege zu leiten. Mit den passenden Partnern an der Seite wird es gelingen, diesen Prozess zu gestalten.