Die neue Buntheit der Särge - öffentlichkeitswirksame Marketingaktionen

Wie machen Bestatter auf sich aufmerksam, ohne dass sie sofort mit dem Schrecken des Todes in Verbindung gebracht werden? Der Sarg eignet sich in besonderer Weise. Er ist eindeutig dem Tod zuzuordnen, bietet viel Fläche für Gestaltung und erregt Aufmerksamkeit. Wir von Columba haben bei einer Marketingaktion u.a. des Bundesverbandes der Bestatter auf Ebay einen Künstlersarg ersteigert und erzählen, warum uns diese Kampagne so gut gefallen hat.


Der Sarg ist für den Bestatter ein Alleinstellungsmerkmal

Einen Sarg kauft man beim Bestatter. In unseren Breitengraden findet man ihn (noch) nicht im Sortiment von Möbelhäusern oder als Selbstbausatz in den Regalen eines Baumarkts. Er ist kein Produkt des täglichen Lebens. Sich einen Sarg über das Internet zu bestellen, macht wenig Sinn. Warum sollte man sich einen so sperrigen Gegenstand ins Haus holen, der seinen Zweck erst zu einem unbekannten Zeitpunkt in der Zukunft erfüllt. Die Umbauvariante eines Sarges, erst praktisches Regal und bei Bedarf Sarg, ist zwar kurios, ansonsten aber überflüssig. Ein Regal ist ein Regal, ein Sarg ist ein Sarg.

Der Sarg steht wie kein anderes Produkt für das Angebot und die Dienstleistung eines Bestattungshauses. Etwas gruselig ist es schon, sich in einen Sarg zu legen. Deshalb bleibt die Aktion „Probeliegen im Sarg“ beim Tag der offenen Tür des Beerdigungsinstituts oder auf einer Messe den Menschen in Erinnerung. ich in einen offenen Sarg zu legen, führt automatisch zu einer Auseinandersetzung mit der eigenen Sterblichkeit. Manche probieren sogar aus, wie es sich anfühlt, wenn der Sarg geschlossen ist. „Wie wird es sein, wenn ich einmal im Sarg liegen werde?“ Särge erinnern an Menschen, die tot sind. Mit all dem hat der Bestatter täglich zu tun, was auch den Beruf irgendwie besonders macht.

Die Neuentdeckung des Sarges als gestaltbare Fläche

Mit der Hospizbewegung und der Debatte um die Sterbehilfe, mit der Sichtbarkeit von lebensbedrohlich erkrankten Menschen in den sozialen Medien und unzähligen neuen Bücher, in denen Menschen von ihren Trauererfahrung berichten, verändert sich das Sprechen über das Sterben und die Wahrnehmung des Todes. Es wird offener über die sich widerstreitenden Gefühle beim Abschiednehmen gesprochen oder über die Irritation, die ein sichtbar trauernder Mensch in unserer Spaßgesellschaft auslöst.

Zur neuen Sichtbarkeit passt es, die Utensilien der Bestattung nicht mehr zu verstecken, sondern selbstbewusst sichtbar zu machen. An prominenter Stelle steht hier der Sarg, allerdings nicht mehr als Statussymbol, bei dem sich die Intensität der Trauer oder das Vermögen der Hinterbliebenen in einem aufwändigen Exemplar ausdrücken. Auch die verwendeten Hölzer geben nicht mehr den Ausschlag. Der Anteil der Feuerbestattungen nimmt zu, in der Folge geht der Trend hin zu immer einfacheren Modellen.

Immer wieder gestalten Angehörige den Sarg selbst. Bildmotive, schrftliche Botschaften oder Handabdrücke, sind hochgradig persönlich und entstehen unter Beteiligung der Betroffenen. Nicht nur die Trauerfeier gibt Raum für das Abschiednehmen, sondern das gemeinsame Tun davor ohne Öffentlichkeit entfernter Verwandter oder der Arbeitskollegen des Verstorbenen. Diese Sarggestaltung lässt keine öffentliche Aktion zu, geht es doch allein um die Trauer der Angehörigen. Mit Zustimmung der Familie lassen sich aber Bilder des Sarges für die Öffentlichkeitsarbeit nutzen.

Öffentlichkeitswirksame Aktionen sind möglich, wenn die Sarggestaltung losgelöst von einem konkreten Trauerfall erfolgt. Im einfachsten Fall kann man besonders gestaltete Särge ausstellen im Ausstellungsraum, im Schaufenster, auf Messen. Die Bandbreite reicht von mit Swarovski-Kristallen auf edel gemacht, über Graffiti mit Popartmotiven hin zu individuellen Bildmotiven auf dem Sarg. Särge sind nicht mehr nur Behältnisse aus Holz, mit denen die Körper verstorbener Menschen transportiert und eingeäschert werden, sondern sie bieten Flächen, die jenseits standardisierter Abschiedsrituale individuell gestaltet werden können.

Marketingaktionen mit Sarg

Ein persönlich gestalteter Sarg fällt auf. Wenn dieser Sarg von Künstlern gestaltet wird, lässt sich daraus eine öffentlichkeitswirksame Aktion machen. Künstlerische Unikate entstehen, wenn ein Sarg wie eine Leinwand direkt bemalt oder mit Farbe besprüht wird. Die Entstehung des Werkes ist dabei genauso wichtig wie das fertige Produkt.

Ein Sarg als Kunstobjekt, das macht neugierig und transportiert Themen, die man zunächst nicht mit knalligen Farben in Verbindung bringt. Wenn die Aktion dann noch für einen guten Zweck ist, erhöht das die Reichweite zusätzlich.

Die Aktion mypersonalcoffin

@mypersonalcoffin – so hieß eine Kampagne für einen offeneren Umgang mit dem Thema Tod und Sterben. Der Bundesverband Deutscher Bestatter e.V. (BDB) und des Handwerks initiierten die Charity-Aktion für eine neue Abschiedskultur. Auf der Auktionsplattform Ebay wurden im April 2019 sechs von Künstlern gestaltete Särge versteigert. „Heutzutage personalisieren wir alles. Ob Sneaker, Klamotten, Essen oder unsere Körper: Wir wollen es so individuell wie möglich. Unser Leben lang. Doch kaum eine Sache ist so standardisiert wie der Sarg. Da heißt es dann schwarz, weiß oder Eiche rustikal.“ – so die Beschreibung der Aktion.

Wir haben mitgeboten und beim Sarg YOLO den Zuschlag erhalten. Der Sarg YOLO wurde von dem Künstler Low Bros im Rahmen des Projekts MY COFFIN geschaffen. „Beim ersten Blick sticht sofort das Wort YOLO auf dem Sarg hervor. Der Sarg ist ein Blickfang: Strenge Schachbrettmuster und grafische schwarz/weiß Elemente treffen auf Poollandschaften, Tennisbälle und Zitronen, die von einer Welt irgendwo zwischen analog und digital erzählen.“ Die offizielle Beschreibung kann den Eindruck nicht ersetzen.

Zum Blickfang ist der Sarg jetzt in unserem Eingangsbereich geworden. Besucher werden sich fragen, was ein IT-Unternehmen bewegt, sich einen bunten Sarg in den Empfang zu stellen. Ein entsprechender Hinweis gibt Auskunft.

Der Erlös der Marketingkampagne für die Enttabuisierung des Todes geht zu 100% an den Wünschewagen des Arbeiter-Samariter-Bund (ASB). Ehrenamtliche Helfer erfüllen schwerstkranken Menschen einen besonderen Herzenswunsch und fahren sie gemeinsam mit ihren Familien und Freunden noch einmal an ihren Lieblingsort.

So können auch wir ein klein wenig dazu beitragen, dass über den Tod gesprochen wird und Menschen ermutigt werden, den Abschied zu gestalten, gerne bunt und künstlerisch.